Die Währung der Schweiz wurde lange Zeit als sicher und stark angesehen. Das Image, das dem Schweizer Franken bei einigen Menschen bis heute anhaftet, gilt nur noch zum Teil. Es ist einerseits auf die Rolle zurückzuführen, die die US-amerikanische Notenbank (FED) der Schweiz gab. Auf der anderen Seite war es wohl die von der schweizerischen Notenbank gepflegte hohe Flexibilität in Bezug auf Zinsen, Wechselkurse, Geldmenge und Steuern, die attraktiv für Kapital aus dem Ausland war. Beides gab der Schweiz eine Sonderrolle und stärkte die schweizerische Wirtschaft.
Aufwertung und Konjunktureinbruch
Als die Europäer der Europäischen Union nach 1992 die Planungen einer europäischen Einheitswährung konkretisierten, gelangte eine große Menge europäischen Kapitals in die Schweiz. Der Finanzmarkt des Landes mag allerdings zwar bedeutend sein, groß ist er keineswegs. Daher führte der Zufluss großer Mengen europäischen Kapitals in der Schweiz zu einer Finanzmarkt-Überforderung. Sie führte wiederum zu einer kräftigen Aufwertung des Schweizer Frankens und 1994 zu einem Konjunktureinbruch im Land. 1993 lagen die Zinsen auf dem Geldmarkt noch bei 10,5%. Bereits ein Jahr später unterschritten sie die Zwei-Prozent-Marke.
Die Konjunktur in der Schweiz und in Deutschland bewegt sich synchron und befindet sich in jeweils ähnlichen Phasen zur selben Zeit. Dennoch lagen die realen und die nominellen Zinssätze in der Schweiz etwa vier Jahrzehnte lang im Durchschnitt um 2,3% bis drei Prozent unterhalb der Werte in Deutschland und lagen in keinem anderen Land Europas niedriger. In den Jahren zwischen 1991 und 2001 bewegten sich die langfristigen Hypothekenzinsen in der Schweiz abhängig vom Wechselkurs in einer Spanne zwischen 3,9% und 7,83%. Durch die zunehmende Stärke des Euros sank dieser Zinsvorteil jedoch. Er dürfte wieder bedeutender werden, wenn die Deflation in Deutschland Zinsen erhöht.
Der abgewertete Schweizer Franken
Etwa zwanzig Jahre lang dauerte die Phase der Aufwertung für den Schweizer Franken an. Dann wurde der Euro stark und setzte den Schweizer Franken unter Druck, was eine Abwertung zur Folge hatte. Ein zusätzlicher Verkauf von Gold verstärkte die Tendenz in der Schweiz. Die Abwertung gegenüber dem Euro ist gut für Kreditnehmer, die einen Kredit in schweizerischer Währung abbezahlen. Sie ist schlecht für all diejenigen, die Ihr Geld in Schweizer Franken angelegt haben.









